Pflege ABC - A wie Alzheimer
Alzheimer-Demenz verändert nicht nur das Gedächtnis, sondern das ganze Leben – für Betroffene und ihre Familien. Wenn vertraute Menschen plötzlich vergessen, wie man Kaffee kocht oder wer Du bist, fühlt sich das an wie ein leises Gewitter im Kopf – leise, aber tiefgreifend. Hinter der Krankheit stecken Eiweißablagerungen im Gehirn, die Nervenzellen schädigen und so zu fortschreitender Vergesslichkeit, Orientierungslosigkeit und Persönlichkeitsveränderungen führen. Seit 2025 gibt es in Europa erstmals Medikamente, die den Verlauf im frühen Stadium verlangsamen können. Forschende arbeiten gleichzeitig an Bluttests, bildgebenden Verfahren und digitalen Werkzeugen, damit Alzheimer früher erkannt und behandelt werden kann.
Stell Dir vor: Dein Vater sitzt mit Dir beim Frühstück, erzählt einen Witz – doch mitten im Satz verliert er den Faden. Einen Tag später erkennt er Dich kaum wieder. Diese Momente sind nicht nur verwirrend, sondern auch emotional belastend. Genau hier beginnt der Pflegealltag – mit Fragen, Sorgen und der Suche nach Halt.
In diesem Beitrag begleite ich Dich durch das Thema Alzheimer-Demenz-Pflege. Du erfährst, wie sich Alzheimer von anderen Demenzformen unterscheidet, wie erste Symptome erkannt werden, wie Du im Alltag mit liebevoller Pflege unterstützen kannst und welche Möglichkeiten es gibt, Dich als Angehörige:r zu entlasten. Einen fundierten Überblick über die Erkrankung findest Du auch bei der Alzheimer Forschung Initiative e.V. oder der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft.
Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz: Sie macht schätzungsweise 60–80 % aller Fälle aus. Die Krankheit beginnt oft nach dem 65. Lebensjahr, kann aber auch früher auftreten. Sie entwickelt sich schleichend und führt dazu, dass immer mehr Nervenzellen im Gehirn absterben. Verantwortlich sind Eiweißablagerungen: sogenannte Amyloid‑Plaques – Beta‑Amyloid‑Fragmente, die sich zwischen den Nervenzellen ansammeln – und Tau‑Fibrillen – verdrehte Fasern des Tau‑Proteins im Inneren der Zellen. Diese Ablagerungen blockieren die Kommunikation zwischen den Zellen und lösen Gedächtnisverlust, Orientierungsprobleme, Sprachstörungen und Persönlichkeitsveränderungen aus.
Alzheimer oder Demenz?
Viele Menschen verwenden die Begriffe Alzheimer und Demenz synonym, doch sie meinen nicht dasselbe. Demenz ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen, bei denen die geistige Leistungsfähigkeit nachlässt und die oft zu Gedächtnis‑ und Denkstörungen führen. Zu diesen Erkrankungen gehören neben der Alzheimer‑Krankheit auch vaskuläre Demenz, Lewy‑Body‑Demenz, frontotemporale Demenz und Mischformen. Alzheimer ist dabei die häufigste Form der Demenz: Etwa zwei Drittel der Menschen mit Demenz sind davon betroffen.
Eine klare Unterscheidung hilft nicht nur bei der Diagnose, sondern auch bei der Wahl passender Therapien und Pflegeangebote. Wenn Du mehr über die verschiedenen Formen erfahren möchtest, findest Du hilfreiche Informationen beim Demenz‑Wissen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und einen Überblick zur Alzheimer‑Krankheit bei der Alzheimer Forschung Initiative.
Diese Differenzierung ist wichtig, weil sich Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten je nach Demenzform unterscheiden. Weitere Infos zu den unterschiedlichen Formen und ihrer Behandlung findest Du in der Broschüre der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.
Beispiel: Wenn das Vergessen beginnt
Mila, 68, war immer sehr aktiv – sie führte den Haushalt, traf sich regelmäßig mit Freund:innen und löste Kreuzworträtsel. Doch mit der Zeit vergaß sie Termine, verlegte oft ihre Schlüssel und zog sich immer mehr zurück. Ihr Mann bemerkte, dass sie nicht mehr wusste, wie man ihre Lieblingssuppe kocht. Als die Ärztin die Diagnose Alzheimer stellte, war das zunächst ein Schock, aber auch eine Erleichterung: Endlich wusste die Familie, warum sich alles verändert hatte. Sie begannen, ihren Alltag neu zu strukturieren, suchten Unterstützung bei einer Demenzberatungsstelle und fanden über noracares eine liebevolle Betreuungskraft.
Der Name Alzheimer geht auf den deutschen Neurologen Dr. Alois Alzheimer zurück. 1901 betreute er in Frankfurt die 51‑jährige Auguste Deter, die zunehmend verwirrt war und ihren eigenen Namen vergaß. „Ich habe mich sozusagen verloren“, sagte sie. Nach ihrem Tod 1906 ließ sich Alzheimer ihre Krankenakte und Gewebeproben schicken und entdeckte dabei Eiweißablagerungen in und zwischen den Nervenzellen. Er präsentierte seine Erkenntnisse noch im selben Jahr auf einer Fachkonferenz; zunächst nahm die Fachwelt sie kaum ernst. Erst als Emil Kraepelin die „Alzheimersche Krankheit“ 1910 in sein Lehrbuch aufnahm, wurde die Erkrankung als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. Seit den 1960er‑Jahren ist Alzheimer eines der wichtigsten Forschungsfelder.
Warum Plaques und Fibrillen wichtig sind
Heute weißt Du, dass das Gehirn von Menschen mit Alzheimer von zwei charakteristischen Eiweißansammlungen geprägt ist. Beta‑Amyloid‑Proteine lagern sich zwischen den Nervenzellen ab und bilden Plaques, die die Zellfunktion stören. Im Inneren der Zellen verklumpt das Tau‑Protein zu Neurofibrillären Tangles, die das neuronale Transportsystem blockieren und so die Kommunikation zwischen den Neuronen unterbrechen. Diese Veränderungen führen zu typischen Symptomen wie Gedächtnisverlust, Orientierungsproblemen und Sprachstörungen.
Zeitstrahl der Forschung
Diese zeitliche Einordnung zeigt, wie das Verständnis der Krankheit gewachsen ist – von den ersten Beobachtungen bis zu modernen Therapien, die den Verlauf verlangsamen können.
Die ersten Anzeichen von Alzheimer schleichen sich meist unauffällig in den Alltag ein – viele verwechseln sie mit typischen Alterserscheinungen. Doch wenn einfache Handgriffe plötzlich schwerfallen oder Gespräche ins Leere laufen, kann mehr dahinterstecken. Je früher Du diese Signale wahrnimmst, desto eher kannst Du handeln und unterstützen.
Beispiel
Peter, 74, war immer derjenige, der in der Familie das Kreuzworträtsel löste. Doch in den letzten Monaten fiel es ihm schwerer, sich an einfache Begriffe zu erinnern. Er verwechselte die Namen seiner Enkel und vergaß seine Einkaufsliste – obwohl er sie kurz zuvor geschrieben hatte. Als er eines Tages in der eigenen Straße stand und nicht mehr wusste, in welchem Haus er wohnt, wurde klar: Das ist nicht mehr nur Vergesslichkeit. Mit Hilfe seines Hausarztes erhielt er eine frühzeitige Diagnose und konnte gemeinsam mit seiner Familie neue Wege finden, den Alltag zu gestalten.
Mögliche Symptome
Die folgende Übersicht zeigt typische Anzeichen von Alzheimer. Nicht jeder Mensch erlebt alle Symptome – die Ausprägung ist sehr individuell. Bei ersten Auffälligkeiten solltest Du ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Wann solltest Du ärztliche Hilfe suchen?
Wichtig: Jede Person erlebt Alzheimer anders. Deshalb ist eine liebevolle Beobachtung entscheidend. Wenn Dir solche Veränderungen auffallen, sprich mit dem Hausarzt oder einer Gedächtnisambulanz. Neuartige Bluttests können heute helfen, Alzheimer im Frühstadium zu erkennen – noch bevor starke Symptome auftreten. Eine frühzeitige Diagnose verschafft Klarheit, ermöglicht Zugang zu modernen Therapien und hilft Dir und Deiner Familie, rechtzeitig Unterstützung zu organisieren.
Wenn Du Dich um einen Angehörigen mit Alzheimer kümmerst, ist fachliche und finanzielle Unterstützung enorm wichtig. Jedes Land in Europa hat eigene Regelungen, die Dir helfen können – von Pflegegeld in Österreich über die Pflegegrade in Deutschland bis hin zu europaweiten Beratungsangeboten. In diesem Abschnitt zeige ich Dir, welche Leistungen Dir zustehen, wie Du sie beantragen kannst und wo Du weiterführende Hilfe findest. Dabei gehe ich auf die Pflegestufen in Österreich, die Pflegegrade in Deutschland und zentrale europäische Netzwerke ein.
Österreich: Pflegegeld & Pflegestufen
In Österreich wird die Pflegebedürftigkeit anhand von sieben Pflegestufen eingestuft. Je mehr Stunden Unterstützung pro Monat nötig sind, desto höher ist die Stufe – und desto größer fällt das Pflegegeld aus. Die Pensionsversicherung und das Sozialministerium nennen für 2026 folgende Beträge:
Menschen ab 15 Jahren mit einer demenziellen Erkrankung erhalten zusätzlich einen Erschwerniszuschlag: 45 Stunden werden automatisch auf den Pflegebedarf angerechnet. Dadurch können sie schneller eine höhere Pflegestufe erreichen.
Um Pflegegeld zu erhalten, stellst Du einen Antrag beim zuständigen Pensionsversicherungsträger. Eine Ärztin oder ein Arzt kommt zu Euch nach Hause und beurteilt den Pflegebedarf. Alle Informationen und den Online‑Antrag findest Du auf dem Portal Höhe des Pflegegeldes.
Neben der finanziellen Leistung gibt es viele Anlaufstellen, die Dich beraten und entlasten: Die Österreichische Alzheimer Gesellschaft bietet Informationen und Selbsthilfegruppen, das Sozialministeriumservice beantwortet Fragen rund um das Pflegegeld und die Caritas sowie das Rote Kreuz unterstützen mit Hausbesuchen und Demenzberatung.
Für medizinische Diagnosen und Therapien wendest Du Dich aber immer an Deinen Hausarzt oder an spezialisierte Einrichtungen wie die Österreichische Alzheimer Gesellschaft.
Deutschland: Pflegegeld & Pflegegrade
In Deutschland erfolgt die Einstufung über fünf Pflegegrade (PG 1–5). Der Medizinische Dienst (MD) bewertet bei einem Hausbesuch, wie selbstständig die betroffene Person noch ist. Ab Pflegegrad 2 zahlt die Pflegekasse ein Pflegegeld für häusliche Pflege durch Angehörige; alternativ können „Pflegesachleistungen“ für einen ambulanten Pflegedienst genutzt werden. Für 2026 gelten folgende Pflegegeld‑Sätze:
Den Antrag stellst Du bei Deiner Pflegekasse (in der Regel die gesetzliche Krankenkasse). Weitere Details zur Antragstellung und zur Kombination von Pflegegeld und Sachleistungen findest Du auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums zur Pflegeversicherung
Für persönliche Beratung stehen Dir die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, die kommunalen Pflegestützpunkte und das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit (030 340606602) zur Verfügung. Sie informieren auch über zusätzliche Leistungen wie Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege und den Entlastungsbetrag.
Europa: Unterstützung und Vernetzung
Wer länderübergreifende Hilfe sucht, findet bei Alzheimer Europe einen guten Einstieg. Die Organisation ist Dachverband von 41 nationalen Alzheimer‑Verbänden in 36 europäischen Ländern. Sie setzt sich für die Rechte von Menschen mit Demenz ein und fördert Forschung und Vernetzung. Auf der Website kannst Du über einen Kartenfilter Dein Land auswählen und direkt zu den jeweiligen nationalen Alzheimer‑Gesellschaften gelangen – ein idealer Weg, um europaweit die richtige Unterstützung zu finden
Weitere europäische Projekte sind ACCESS‑AD, eine EU‑Initiative zur frühzeitigen Diagnose, und die European Dementia Carers Working Group. Ergänzend bietet die Weltgesundheitsorganisation mit iSupport ein kostenloses Online‑Trainingsprogramm für Angehörige – verfügbar in mehreren Sprachen. Diese Netzwerke helfen Dir, Dich über Ländergrenzen hinweg zu vernetzen und zeitnah an neue Erkenntnisse und Hilfsangebote zu gelangen.
Egal, ob Du in Österreich, Deutschland oder einem anderen europäischen Land lebst: noracares vermittelt qualifizierte Betreuungspersonen für die häusliche Pflege und entlastet Dich so im Alltag. Für medizinische Diagnosen und Therapien wendest Du Dich aber immer an Deinen Hausarzt oder an spezialisierte Einrichtungen – zum Beispiel die Österreichische Alzheimer Gesellschaft oder die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Diese Fachorganisationen bieten fundierte Informationen zu Diagnose und Behandlung und unterstützen Dich dabei, Ärzt:innen und Beratungsangebote in Deinem Land zu finden
Alzheimer ist bislang nicht heilbar – aber es gibt vieles, was Du tun kannst, um Dein persönliches Risiko zu senken. Forschende sprechen von der kognitiven Reserve: Je aktiver Dein Gehirn im Laufe des Lebens gefordert wird und je besser Dein Körper versorgt ist, desto eher kann es Schäden kompensieren. Eine aktuelle Studie, das U.S. POINTER‑Programm, zeigte 2025, dass ein strukturiertes Lifestyle‑Programm aus Bewegung, Ernährung, kognitivem Training und sozialen Aktivitäten die geistige Leistungsfähigkeit von Menschen mit erhöhtem Risiko spürbar verbessert. Die Verbesserung war unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder Herzgesundheit.
Tipps zur Vorbeugung
Praxistipp: Das U.S. POINTER‑Programm zeigte, dass kombinierte Lifestyle‑Maßnahmen (sportliche Betätigung, mediterrane Ernährung, kognitive Übungen und soziale Aktivitäten) den größten Effekt haben. Schon kleine Veränderungen – regelmäßige Spaziergänge, gemeinsames Kochen frischer Gerichte, wöchentliche Spieleabende – können sich positiv auswirken.
Beispiel aus dem Alltag
Erika, 72, lebt allein, doch sie besucht wöchentlich einen Literaturkreis, macht Tai‑Chi im Park und löst täglich Kreuzworträtsel. Ihre Ärztin betont, dass diese Mischung aus Bewegung, sozialen Kontakten und geistiger Herausforderung ein starkes Schutzschild gegen Demenz bildet.
Die meisten Menschen mit Alzheimer werden zu Hause von ihren Familien betreut. Diese liebevolle Aufgabe ist erfüllend, aber auch körperlich und emotional belastend. Die folgenden Empfehlungen basieren auf Ratgebern der deutschen Gesundheitsbehörden und Alzheimer‑Gesellschaften und lassen sich von Angehörigen ebenso wie von professionellen Betreuungskräften anwenden.
Kommunikation & Verhalten
- Perspektive wechseln: Menschen mit Demenz fühlen sich oft sicherer, wenn sie als fühlende, soziale Wesen wahrgenommen werden. Versuche, Dich in ihre Lage zu versetzen und behandel sie als gleichberechtigte Gesprächspartner.
- Nicht korrigieren oder testen: Gedächtnislücken und Verwechslungen sind normal. Verzichte darauf, die Person zu verbessern oder durch Fragerunden zu testen. Nimm Beschuldigungen nicht persönlich – sie entspringen meist Verzweiflung.
- Einfach erklären & beruhigen: Wenn etwas nicht verstanden wird, verzichte auf logische Argumente. Gib der Person recht oder lenke ab, erwarte keine Erklärungen. Reassurance und Handhalten wirken oft beruhigend.
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Erinnerungen wachhalten: Nutze Fotos, Musik und vertraute Rituale, um Orientierung zu geben und gemeinsam Erinnerungen zu teilen.
Alltag, Routinen & Aktivitäten
- Beständige Strukturen: Feste Abläufe und Gewohnheiten vermitteln Sicherheit. Bewährte Routinen sollten beibehalten werden; neue Abläufe führst Du schrittweise ein.
- Fähigkeiten nutzen: Konzentriere Dich auf das, was noch möglich ist. Viele Menschen mit Demenz erinnern sich gut an alte Lieder, Handarbeiten oder andere Hobbys. Beziehe sie in Alltagsaufgaben ein, z. B. Tischdecken oder Kochen.
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Bewegung & gemeinsame Zeit: Lass nicht zu, dass sich die Person zurückzieht. Gemeinsame Aktivitäten wie Essen, Spaziergänge oder Ausflüge sowie feste Zeiten für Essen, Ruhe und Schlaf sind wichtig.
Wohnumfeld & Sicherheit
- Übersicht schaffen: Halte das Zuhause klar strukturiert, gut beleuchtet und frei von Stolperfallen. Möbel und persönliche Gegenstände sollten an ihrem gewohnten Platz bleiben; starke Muster und grelle Farben eher meiden.
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Sicherheitsvorkehrungen treffen: Sichere Treppen, Fenster und den Herd. Begrenze die Wassertemperatur auf maximal 40 °C und stelle sicher, dass Türen – besonders im Bad – von außen geöffnet werden können.
Umgang mit Gedächtnisproblemen
- Geduld & Gelassenheit: Missgeschicke sind normal. Notizen und Hinweise im Haushalt können zu Beginn helfen. Bewahre vertraute Ordnung und pflege gewohnte Rituale.
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Keine logischen Diskussionen: Wenn etwas nicht verstanden wird, lieber zustimmen oder vom Thema ablenken und beruhigen.
Selbstfürsorge & Beratung
- Frühzeitig Hilfe suchen: Pflegende Angehörige stoßen oft an ihre Grenzen. Beratungsstellen, Pflegestützpunkte und Selbsthilfegruppen bieten kostenlose Unterstützung und Entlastung. In Deutschland hilft das Alzheimer‑Telefon der Deutschen Alzheimer Gesellschaft weiter; vergleichbare Angebote gibt es in Österreich.
- Krisen- und Seelsorgeangebote: Bei emotionaler Belastung oder Krisen helfen Krisentelefone und TelefonSeelsorge.
- Eigene Gesundheit pflegen: Nimm Auszeiten, ernähre Dich gesund, bewege Dich und nutze Austausch in Gruppen. Psychologische Unterstützung kann ebenfalls sinnvoll sein.
Hinweis zur ärztlichen Beratung
Wir bei noracares wollen Dich informieren und Dir den Pflegealltag erleichtern. Wir sind aber keine Ärzt:innen. Alle Tipps zur Pflege basieren auf den Empfehlungen europäischer Gesundheitsportale und Alzheimer‑Organisationen, ersetzen aber keine professionelle Beratung, ersetzen aber keine professionelle Beratung. Wenn Du unsicher bist, Symptome bemerkst oder Entscheidungen über Medikamente und Therapien treffen musst, wende Dich bitte an Deinen Hausarzt, eine Gedächtnisambulanz oder eine Alzheimer‑Fachgesellschaft in Deinem Land.
2025 und 2026 sind wegweisende Jahre für die Alzheimer‑Forschung. Erstmals stehen Medikamente zur Verfügung, die den Krankheitsverlauf direkt beeinflussen, und neue diagnostische Verfahren ermöglichen eine frühere Erkennung.
- Leqembi (lecanemab): Seit April 2025 ist dieser Antikörper in der EU zugelassen. Leqembi bindet an Beta‑Amyloid‑Proteine, reduziert die Plaques im Gehirn und verlangsamt den kognitiven Abbau bei Menschen mit milder kognitiver Beeinträchtigung oder früher Alzheimer‑Demenz.
- Kisunla (donanemab): Im September 2025 wurde ein zweiter Antikörper, Kisunla, zugelassen. Er wird monatlich infundiert, richtet sich ebenfalls gegen Amyloid‑Plaques und verlangsamt den kognitiven sowie funktionellen Abbau. Sobald die Plaques stark reduziert sind, kann die Therapie beendet werden.
- Blutbasierte Biomarker‑Tests: Auf der Alzheimer’s Association International Conference 2025 wurden erstmals evidenzbasierte Leitlinien für Bluttests vorgestellt. Die Tests mit hoher Sensitivität und Spezifität sollen Alzheimer schon vor gravierenden Symptomen erkennen und ergänzen die weitere Diagnostik wie PET‑ oder Liquoruntersuchungen.
- ACCESS‑AD – europäische Initiative für frühzeitige Diagnose: Dieses EU‑Projekt startete im Januar 2026. Es kombiniert fortschrittliche Hirn‑Bildgebung, blutbasierte Biomarker, digitale Überwachungstools und KI‑gestützte Entscheidungshilfen, um die Diagnosestellung zu beschleunigen und den Zugang zu modernen Therapien zu verbessern.
Blick in die Zukunft
2025 und 2026 bringen weitere Fortschritte für Therapie und Diagnostik:
- Neue Antikörper wie trontinemab: Roche präsentierte 2025 Ergebnisse zu trontinemab, einem Brainshuttle‑Antikörper, der in einer frühen Studie eine rasche, dosisabhängige Reduktion der Amyloid‑Plaques zeigte; eine Phase‑III‑Studie soll noch 2025 starten. Parallel stellte Roche den Elecsys pTau181‑Plasma‑Test vor, der pTau181 im Blut misst und amyloide Pathologie zuverlässig ausschließen kann, wodurch die Diagnose früher und weniger invasiv wird.
- Tau‑Antikörper und Vakzinen: Forscher:innen arbeiten an Antikörpern und Impfstoffen, die die Bildung von Neurofibrillen verhindern sollen.
- Entzündungshemmende Ansätze: Neue Studien untersuchen anti‑entzündliche Wirkstoffe wie Sargramostim (Leukine) zur Minderung der chronischen Hirnentzündung.
- Personalisierte Lifestyle‑Therapien: Programme kombinieren Medikamente mit Lebensstil‑Interventionen – regelmäßige Bewegung und eine herzgesunde Ernährung gelten als wichtige Bausteine, um Demenz vorzubeugen oder ihren Verlauf zu verlangsamen.
Diese vielfältigen Ansätze zeigen, wie schnell sich Forschung und Therapie weiterentwickeln. Eine Kombination aus frühzeitiger Diagnose, modernen Medikamenten und persönlicher Lebensstil‑Anpassung kann den Verlauf der Alzheimer‑Demenz in den kommenden Jahren deutlich verändern. Frühzeitige Abklärung und Beratung bleiben dennoch entscheidend – so kannst Du rechtzeitig von neuen Therapien profitieren und gemeinsam mit Deinen Liebsten die Pflege besser planen.
Alzheimer-Demenz ist mehr als Vergesslichkeit – sie betrifft Körper, Geist und das gesamte Familiengefüge. Als Angehörige:r oder Betreuungskraft hilfst Du, indem Du das Krankheitsbild verstehst, erste Symptome ernst nimmst und frühzeitig ärztliche Hilfe holst. Präventive Lebensstil-Änderungen wie mediterrane Ernährung, regelmäßige Bewegung, kognitives Training und soziale Kontakte senken nachweislich das Risiko, auch wenn sie die Krankheit nicht garantiert verhindern. Dank neuer Antikörpertherapien wie Leqembi und Kisunla sowie innovativer Bluttests und EU‑Projekte wie ACCESS‑AD steht heute erstmals eine krankheitsmodifizierende Behandlung in Europa zur Verfügung. Dennoch bleibt die persönliche Pflege zu Hause zentral: Ein respektvoller Umgang, feste Routinen, sichere Umgebung und Self‑Care sind entscheidend. In Österreich, Deutschland und auf EU‑Ebene gibt es finanzielle Leistungen, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Dir helfen. noracares vermittelt Dir passende Betreuungspersonen – aber für Diagnosen und Therapien sind Hausärzt:innen und spezialisierte Alzheimer‑Gesellschaften Deine erste Anlaufstelle. Du bist nicht allein – gemeinsam mit Expert:innen, Netzwerken und Deinen Liebsten kannst Du den Alltag meistern und Deine Lebensqualität stärken.
- Alzheimer: Die häufigste Form der Demenz. Sie führt zum fortschreitenden Abbau von Nervenzellen im Gehirn und äußert sich durch Gedächtnisverlust, Sprachstörungen und Persönlichkeitsveränderungen.
- Amyloid-Plaques: Eiweißablagerungen im Gehirn, die bei Alzheimer-Patient:innen zwischen den Nervenzellen auftreten und als krankheitsverursachend gelten.
- Blutbasierte Biomarker: Bluttests, die Beta‑Amyloid oder Phospho‑Tau messen und Alzheimer schon vor starken Symptomen erkennen können.
- Demenz: Ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, die mit einem fortschreitenden Verlust geistiger Fähigkeiten einhergehen – darunter Alzheimer, vaskuläre Demenz oder Lewy-Body-Demenz.
- Erschwerniszuschlag: In Österreich wird bei Demenzkranken ab 15 Jahren ein Zuschlag von 45 Pflegestunden angerechnet, um eine höhere Pflegestufe zu erreichen.
- MIND‑Diät: Kombination aus mediterraner und DASH‑Diät; betont grünes Blattgemüse, Beeren, Nüsse und Olivenöl und kann das Demenzrisiko senken.
- Kognitive Reserve: Die Fähigkeit des Gehirns, Schäden durch alternative Denk- und Lösungswege zu kompensieren. Sie kann durch Bildung, geistige Aktivität und soziale Interaktion gestärkt werden.
- Pflegegrad (Deutschland): Ein System zur Einstufung der Pflegebedürftigkeit von Personen, das zwischen Grad 1 (geringer Unterstützungsbedarf) und Grad 5 (schwerste Pflegebedürftigkeit) unterscheidet. Grundlage für finanzielle Leistungen aus der Pflegeversicherung.
- Pflegestufe (Österreich): Das österreichische Pendant zum deutschen Pflegegrad. Sie reicht von Stufe 1 bis Stufe 7 und ist Grundlage für die Höhe des Pflegegeldes.
- Pflegegeld: Eine finanzielle Leistung, die Menschen mit Pflegebedarf zur Verfügung steht – entweder direkt an die pflegebedürftige Person oder zur Bezahlung von pflegenden Angehörigen oder Fachkräften.
- Tau-Fibrillen: Verklumpte Eiweißstrukturen innerhalb der Nervenzellen, die den Zelltransport blockieren und zum Absterben von Nervenzellen führen – typisch bei Alzheimer.