Pflegebedürftige richtig positionieren: Deine Top-Tipps für Komfort & Prophylaxe

 

 

Deine Liebe, unser Wissen: Wusstest Du, dass Du mit der richtigen Positionierung Deiner Angehörigen Druckgeschwüren vorbeugen und ihr Wohlbefinden sofort steigern kannst? Entdecke einfache Maßnahmen, die ihren Alltag erleichtern!

Stell Dir vor, Du liegst in Deinem Bett und schläfst bis in die Früh. Du drehst Dich automatisch selbst, um Deinen Körper zu entlasten. Pflegebedürftige Menschen können das oft nicht mehr allein. Genau hier setzt die richtige Lagerung und Positionierung an. Sie ist der Schlüssel, um Deinen Angehörigen eine bequeme Stellung zu finden und gleichzeitig chronische Folgeschäden zu verhindern.

In diesem Leitfaden erfährst Du, wie Du Deine Liebsten richtig lagerst, wie Du Deinen eigenen Rücken schonst und welche Prophylaxen für Dekubitus, Kontraktur und Pneumonie entscheidend sind.

Eine Tochter besucht ihre ältere Mutter, die im Bett liegt, und hält liebevoll ihre Hand.

 

 

 

Warum ist Positionierung im Alltag entscheidend?

Positionieren, Lagern, Betten – das ist nicht nur eine Frage des Komforts, sondern der Sicherheit und der Gesundheit. Wie bei Dir selbst, muss auch der Körper Deines Angehörigen regelmäßig entlastet werden, um die Durchblutung zu gewährleisten und Folgeschäden zu vermeiden.

Die Vorteile der Positionierung:

  • Entlastung des Körpers → Reduziert Schmerzen und Druckstellen.
  • Atemerleichterung → Ein erhöhter Oberkörper fördert die Lunge.
  • Förderung von Sicherheit und Körperwahrnehmung.

Dekubitus, Kontraktur & Pneumonie (Die 3 Prophylaxen)

Zeitgerechte Positionierungen stellen die wirksamste Prophylaxe gegen die folgenden drei Hauptrisiken dar:

  1. Dekubitusprophylaxe: Ein Dekubitus entsteht durch zu lange Druckausübung auf derselben Stelle, wodurch die Durchblutung gestört und die Haut geschädigt wird. Um dies zu verhindern, gilt in der stationären Pflege der zwei Stunden-Richtwert für den Lagewechsel.
  2. Kontrakturprophylaxe: Kontraktur bedeutet eine Versteifung des Gelenks. Durch aktives oder passives Bewegen und gezielte Positionierung (z.B. durch Polster am Sprunggelenk, um die Zehen senkrecht zu halten) kann der Beweglichkeit entgegengewirkt werden.
  3. Pneumonieprophylaxe: Wenn der Körper immer gleich liegt, wird nicht jeder Bereich der Lunge ausreichend belüftet, was eine Lungenentzündung (Pneumonie) verursachen kann. Durch spezielle Positionierungen, wie zum Beispiel den erhöhten Oberkörper, kann einer Pneumonie vorgebeugt werden.

 

Die wichtigsten Positionierungstechniken im Überblick

Es gibt verschiedene Standard-Lagerungen, die Du kennen solltest, um gezielt Druck zu entlasten oder die Atmung zu fördern.

 

Technik & Pflegepositionen

Technik Zweck Vorgehen (Kurz) Besonderheiten
30°-Seitenlagerung Druckentlastung des Kreuzbeins, Dekubitusprophylaxe. Patient:in leicht seitlich drehen, Kissen im Rücken stützen. Gut geeignet für längeres Liegen.
90°-Seitenlagerung Starke Entlastung einer Seite. Patient:in auf volle Seite lagern, Kissen fixieren. Hoher Druck auf Schulter/Hüfte → nur kurzzeitig anwenden.
Herzbettlagerung Atemerleichterung, Herzunterstützung. Oberkörper hochstellen, Arme auf Kissen abstützen. Besonders bei Atemnot oder Herzproblemen hilfreich.
Embryonallagerung Psychische Sicherheit, Komfort. Seitlich eingerollt, Kissen zwischen Armen und Beinen. Gibt Geborgenheit, oft bei Unruhe hilfreich.

 

Rückenschonendes Positionieren: So schützt Du Dich und Deine Liebsten

Das wichtigste, was Du immer im Kopf behalten musst: Du bist vielleicht noch jung, aber Du hast nur ein "Kreuz", das Du unbedingt schonen musst. Ergonomie und die Förderung der Eigenbewegung Deiner Oma sind der Schlüssel zur Rückenschonung.

 

Betreuerin in blauer Dienstkleidung hilft einer älteren Frau in lila Bluse bei Armübungen auf einem Sofa und unterstützt sie dabei, ihre Arme hinter den Kopf zu strecken, in einer unterstützenden häuslichen Umgebung.

 

Ergonomie und Kinästhetik

Die besten Positionierungen gelingen, wenn Du die Ressourcen Deiner Großmutter aktiv nutzt (Kinästhetik), anstatt alles selbst zu heben.

  • Höhenanpassung: Stelle das Bett immer auf eine Höhe, in der Du angenehm arbeiten kannst, ohne Dich hinunterbücken zu müssen. [Höhenverstellbares Bett einfügen]
  • Schutz vor Scherkräften: Achte darauf, dass beim Bewegen keine Scherkräfte (Druckkräfte) auftreten. Fersen müssen immer frei gelagert sein (z.B. Polster unter das Sprunggelenk legen, damit die Ferse in der Luft liegt).
  • Klare Greifpunkte: Greife beim Drehen auf die Schulter und den Hüftknochen. Dadurch, dass sich unter diesen Stellen ein Knochen befindet, kannst Du Deine Großmutter geschickt und kraftsparend herüberdrehen.
  • Eigenbewegung fördern: Lass Deine Oma die Bewegungen, die sie selbst ausführen kann, auch selbst machen. Das kann Zeit kosten, aber es fördert die Aktivität und die Selbstständigkeit Deiner Oma, damit sie die Bewegungsmuster nicht verlernt.

 Leos Weg zur Verbindung

Leo (28) besuchte seinen Großvater regelmäßig, doch seit dieser bettlägerig war, fühlte sich Leo hilflos. Er sah die Sorge im Blick seiner Oma und spürte die Distanz zu seinem Opa. Er wusste, er sollte helfen, aber er hatte Angst, ihn zu verletzen oder seinen eigenen Rücken zu ruinieren. Die Lagerung erschien ihm wie ein kompliziertes, kaltes Manöver.

Eines Tages zeigte ihm die mobile Pflegekraft, Frau Steiner, den Trick mit dem Aufstellen der Beine und den klaren Greifpunkten an Schulter und Hüfte. Plötzlich brauchte er keine rohe Kraft mehr, sondern nutzte das Gewicht seines Großvaters sanft.

Der Wendepunkt kam, als er seinen Opa mit der Kinästhetik-Technik zur Seite drehte: Er sprach dabei ruhig mit ihm, förderte die kleinste Eigenbewegung, die der Opa noch machen konnte. Es war nicht mehr "Heben", sondern "Führen". Der Opa schloss dabei kurz die Augen und sagte leise: "Danke, mein Junge. Das tat gut."

In diesem Moment verstand Leo: Die richtige Positionierung war mehr als nur Dekubitusprophylaxe. Es war der Moment, in dem die Angst wich, die körperliche Distanz verschwand und die emotionale Verbindung zwischen Enkel und Großvater wiederhergestellt wurde.

 

Praktische Tricks im Alltag

  • Rutschbremse gegen das Hinunterrutschen: Wenn sich das Bett noch in Liegeposition befindet und Du Deine Oma nach oben befördert hast, dann mach eine Rutschbremse. Gib einen Polster oder ein Handtuch unter das Gesäß, bevor Du das Bett in eine Sitzposition bringst. Die Rutschbremse verhindert, dass Deine Oma hinunterrutscht.
  • Bessere Atmung: In den meisten Fällen ist es ratsam, den Oberkörper leicht erhöht zu positionieren. Dies fördert die Atmung und beugt einer Pneumonie vor.

 

Finanzierung von Hilfsmitteln: So erhältst Du Unterstützung

Die Anschaffung spezieller Lagerungshilfsmittel (wie Anti-Rutsch-Matten, Gleittücher oder spezielle Kissen) ist oft mit Kosten verbunden, die Du jedoch nicht alleine tragen musst. Der Staat bzw. die Versicherungen sehen diese Hilfsmittel als notwendige Prophylaxe-Maßnahmen.

Miniatürliche Menschen stehen auf Geldstapeln und symbolisieren Reichtum und Erfolg.

Wo Du Unterstützung findest:

1. In Deutschland (Pflegekasse)

  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: Kostenlose Verbrauchshilfsmittel (wie Handschuhe, Desinfektionsmittel) werden bei anerkanntem Pflegegrad bis zu 40 € (ab 2025: 42 €) monatlich gewährt.
  • Technische Hilfsmittel: Bei Lagerungshilfen (z.B. Gleittücher, Spezialkissen, Pflegebett) übernimmt die Pflegekasse bei ärztlicher Verordnung in der Regel die Kosten. Oft fällt lediglich eine gesetzliche Zuzahlung an.

2. In Österreich (Kranken-/Sozialversicherung)

  • Krankenkasse (ÖGK, SVS, etc.): Die Kosten für notwendige Hilfsmittel (z.B. Kompressionsstrümpfe, Rollstühle) werden nach ärztlicher Verordnung meist von Deiner zuständigen Krankenkasse übernommen. Oft ist ein geringer Selbstbehalt zu zahlen.
  • Sozialministeriumservice: Bei größeren Anschaffungen (z.B. Höhenverstellbares Bett, Wohnraumadaptierungen) kannst Du über das Sozialministeriumservice oder die Bundesländer finanzielle Unterstützung beantragen.
Noras Tipp: So gehst Du vor
  1. Ärztliche Verordnung einholen: Sprich zuerst mit dem behandelnden Arzt oder dem mobilen Pflegedienst. Sie können Dir ein Hilfsmittel verordnen.
  2. Antrag stellen: Reiche die Verordnung zusammen mit dem Kostenvoranschlag bei Deiner zuständigen Krankenkasse (ÖGK, etc.) oder Pflegekasse (Deutschland) ein.
  3. Hintergrund: Erkläre, dass das Hilfsmittel zur Dekubitusprophylaxe oder zur Rückenschonung (Ergonomie) des Pflegenden notwendig ist. Dies erhöht die Genehmigungswahrscheinlichkeit.

 

 

So weißt Du, dass eine Positionierung richtig ist

Eine Krankenschwester beugt sich über eine ältere Frau, die im Bett liegt, und spricht beruhigend mit ihr.

Checkliste: Sicher umlagern im Vergleich

 

Pflegeprozess: Schritt-für-Schritt Anleitung

Schritt Darauf achten
Vorbereitung Bett auf Hüfthöhe, Bremse fest, Patient:in ansprechen und Ablauf erklären.
Positionierung Eigenbewegung fördern (Kinästhetik nutzen), Kissen/Hilfsmittel nutzen.
Wichtig: Scherkräfte Achte darauf, dass Fersen und Ohren frei liegen.
Kontrolle Haut auf Rötungen prüfen, Komfort abfragen (verbal oder Mimik).
Nachsorge Position dokumentieren, Wechselintervall (alle 2-3 Stunden) einplanen.

 

Wenn Du Deine Großmutter ans Kopfende des Bettes befördert hast und das Bett in eine Sitzposition bringst, damit sie essen kann, nutze die Rutschbremse (Polster unterm Gesäß), damit sie nicht hinunterrutscht und beruhigt ihr Essen genießen kann.

 

 

 

Grafik von Krankenschwester Nora mit einem Stethoskop um den Hals und dem Text 'Noras Fazit' auf einem grünen Banner. Abschlussbemerkung oder Zusammenfassung im Gesundheitsbereich.

Am Anfang kann Dich das Positionieren überfordern. Lass Dich aber nicht davon entmutigen, denn wie bekannt ist, macht Übung ja den Meister. Mit jeder Positionierung gewinnst Du an Erfahrung und an Selbstbewusstsein dazu. Du wirst sehen, mit der Zeit wird das richtige Positionieren für Dich ein Kinderspiel, und Deine Oma wird Dir für jede neue bequeme Position dankbar sein.

Wichtig: Die Wahl der richtigen Pflegekraft ist entscheidend, um den Druck von Deinen Schultern zu nehmen. Wenn Du lieber Profis ans Werk lässt, die Deine Oma regelmäßig positionieren, dann ist die richtige Pflege von Sekunde eins an garantiert.

noracares kann Dir helfen, eine qualifizierte Pflegekraft zu finden, die perfekt zu den Bedürfnissen Deines Familienmitglieds passt.

 

Ein türkisfarbener Banner mit weißem Text, der 'Noras Häufig gestellte Fragen' lautet. Auf der rechten Seite befindet sich eine illustrierte Avatarfigur einer Krankenschwester mit blonden Haaren, die eine türkise Krankenschwester-Mütze mit einem weißen Kreuz, einen weißen Kragen und ein Stethoskop um den Hals trägt
Zu den wichtigsten gehören die 30°-Seitenlagerung, die Herzbettlagerung (zur Atemerleichterung) und die Embryonallagerung (für psychischen Komfort). Jede Technik dient einem speziellen Ziel wie Druckentlastung oder Mobilisation.
Ein regelmäßiger Lagewechsel ist vor allem bei druckgefährdeten Positionen (Rückenlage, 90°-Seitenlage) notwendig, um Dekubitus vorzubeugen. Der Intervall sollte sich nach dem Hautzustand und dem individuellen Risiko richten.
Pflegebedürftige werden richtig positioniert, wenn man Eigenbewegungen fördert (Kinästhetik), Scherkräfte vermeidet (durch Anheben statt Ziehen) und Fersen freilagert (z.B. Polster unter das Sprunggelenk). Das Bett sollte immer auf Arbeitshöhe eingestellt sein, um Deinen Rücken zu schonen.

 

Grafisches Logo von Noras Wissenschatz, einer Sammlung von Informationen für Pflegekräfte. Ideal zur Darstellung von Pflegewissen und Ratschlägen.
  • Dekubitus: Ein tiefer Gewebeschaden (Druckgeschwür), der durch langanhaltenden Druck auf dieselbe Hautstelle entsteht, wodurch die Durchblutung gestört wird.
  • Kontraktur: Eine Versteifung eines Gelenks (z. B. im Sprunggelenk) aufgrund von Bewegungsmangel.
  • Pneumonieprophylaxe: Vorbeugende Maßnahmen gegen Lungenentzündung, oft durch Lagerung (Oberkörperhochlagerung) und Atemübungen.
  • Scherkräfte: Druckkräfte, die entstehen, wenn Haut und Gewebe beim Verschieben (z. B. beim Hinunterrutschen im Bett) an der Unterlage haften bleiben, was die Durchblutung stört und Dekubitus fördert.
  • Kinästhetik: Ein Konzept, das darauf abzielt, die Eigenbewegung des Patienten bei der Lagerung oder beim Transfer zu fördern, um Muskelkraft und Selbstständigkeit zu erhalten.
  • Humoralpathologie: Eine frühe Form der Heilkunde (nach Hippokrates), basierend auf dem Glauben, dass der Ausgleich der vier Körpersäfte (Blut, Galle, Schleim) für die Gesundheit entscheidend ist.
  • Rutschbremse: Ein einfacher Trick, bei dem ein Kissen oder Tuch unter das Gesäß gelegt wird, um das Hinunterrutschen im sitzenden Bett zu verhindern.