Pflege ABC - M wie Medikament

Mit zunehmendem Alter steigt oft auch die Zahl der täglich einzunehmenden Medikamente. Dabei ist die richtige Einnahme wichtig, um gesund zu bleiben und Risiken zu vermeiden. Doch was passiert, wenn man den Überblick verliert oder Medikamente sich gegenseitig beeinflussen? Diese und weitere Fragen beantworten wir Dir im folgenden Blogartikel.

 

Eine Flasche mit Nahrungsergänzungsmitteln neben Orangen und Vitaminpillen auf einem Tisch. Die Balance zwischen gesunder Ernährung und Medikamenteneinnahme.

 

Im Alter kann die regelmäßige Medikamenteneinnahme leicht zur täglichen Herausforderung werden. Viele ältere Menschen müssen mehrere Präparate gleichzeitig einnehmen – gegen Bluthochdruck, Schmerzen oder andere chronische Erkrankungen. Was früher problemlos gewirkt hat, kann im höheren Alter plötzlich stärkere Nebenwirkungen, Schwindel oder sogar Stürze auslösen. Studien zeigen: Schon ab fünf verschiedenen Medikamenten steigt das Risiko für gefährliche Wechselwirkungen deutlich.

Vielleicht kennst Du diese Sorge: „Habe ich meine Tabletten heute schon genommen? Vertragen sich meine Medikamente überhaupt?“ – Mit diesen Fragen bist Du nicht allein.

Umso wichtiger ist es, die Medikamenteneinnahme im Alter gut zu verstehen, typische Risiken zu kennen und praktische Hilfen zu nutzen. In diesem Artikel erfährst Du…

  • warum Medikamente im Alter anders wirken, 
  • welche Gefahren durch Polypharmazie entstehen, 
  • wie Dir die PRISCUS-Liste Orientierung gibt 
  • und welche Alltagstipps, Apps und Checklisten Dir helfen können, Deine Gesundheit sicher im Blick zu behalten. 

Unser Ziel: Dir und Deinen Angehörigen Sicherheit, Klarheit und konkrete Unterstützung beim Umgang mit Medikamenten zu geben.

 

 

 

 

Was ist Medikation?

Verschiedene Tabletten und ein Glas Wasser auf einem blauen Hintergrund, die medizinische Versorgung symbolisieren.

 

Unter der Medikation verstehen wir die Verschreibung und richtige Anwendung von Arzneimitteln, wie Tabletten, Salben oder Injektionen. Dosierung, Dauer der Einnahme und der genaue Zeitpunkt sind dabei immer mit der Ärztin/dem Arzt oder der Apothekerin/dem Apotheker abzustimmen. Eine allgemeine Verordnung reicht nicht aus, denn jede Behandlung muss genau auf die Bedürfnisse der Patientin oder des Patienten zugeschnitten sein – ähnlich wie ein maßgeschneiderter Anzug, der perfekt passen muss, um seinen Zweck zu erfüllen. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente, abhängig von Faktoren wie Alter, Gewicht, bestehenden Erkrankungen oder der Ernährung. So kann dasselbe Medikament bei einem Patienten den gewünschten Effekt hervorrufen, bei einem anderen hingegen zu Nebenwirkungen führen. 

 

Warum wirken Medikamente im Alter anders?

“Wenn ältere Menschen Medikamente einnehmen, ist besondere Sorgfalt gefragt.”         – Uniklinikum Freiburg

Mercedes, 84 Jahre alt, nimmt eine Tablette, die früher zuverlässig geholfen hat. Doch plötzlich fühlt sie sich schwindelig, müde oder unsicher auf den Beinen. Das liegt nicht daran, dass das Medikament „plötzlich schlecht“ ist – ihr Körper hat sich verändert. Im Alter arbeiten Leber und Nieren langsamer, der Wasseranteil sinkt, der Fettanteil steigt. Medikamente werden dadurch anders aufgenommen, verteilt und abgebaut.

 

Körperveränderung im Alter und Medikamente

Körperveränderung im Alter Auswirkung auf Medikamente Typische Folgen
Weniger Wasser im Körper Höhere Wirkstoffkonzentration Stärkere Wirkung, Nebenwirkungen
Mehr Körperfett Fettlösliche Medikamente werden gespeichert Verlängerte Wirkung, Müdigkeit
Langsamere Leberfunktion Abbau dauert länger Medikament wirkt stärker oder länger
Schwächere Nierenfunktion Ausscheidung verlangsamt Gefahr von Überdosierungen

Schon Standarddosierungen, die bei Jüngeren problemlos wirken, können im Alter zu stark sein. Regelmäßige Kontrolle und Anpassung der Medikation sind deshalb besonders wichtig.

 

Polypharmazie: Risiken bei vielen Medikamenten

Stell dir vor, dein Körper ist wie ein vielschichtiges Orchester und jedes Medikament ein eigenes Instrument. Wenn du fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig einnimmst (das ist eine gängige Definition von Polypharmazie), kann das Zusammenspiel dieser „Instrumente“ sehr schnell aus dem Takt geraten.

  • Wechselwirkungen: Ein Medikament kann das „Lautstärkeniveau“ eines anderen verändern: Es verstärkt oder dämpft dessen Wirkung. Besonders kritisch wird es, wenn Blutverdünner, Herzmittel oder Schmerzmittel im Spiel sind. Damit steigt die Gefahr, dass das Orchester sich übertönt oder disharmonisch klingt. Dieses Risiko wird in der Fachliteratur klar beschrieben: Je mehr Medikamente eingenommen werden, desto größer das potenzielle Interaktionsrisiko.
  • Nebenwirkungen: Durch diese Wechselwirkungen oder die schiere Anzahl der Medikamente kann es zu Schwindel, Verwirrung oder Magenproblemen kommen — klassische Symptome, die oft unterschätzt werden, aber bei älteren Menschen häufig zu Stürzen führen können. 
  • Fehlanwendung: Und dann ist da noch das Problem der Organisation: Vergessen, versehentlich doppelt genommen oder zur falschen Zeit – das ist kein seltenes Szenario bei komplexen Medikamentenregimen. Laut der Plattform Patientensicherheit steigt mit der Anzahl der Medikamente die Unsicherheit bei der Einnahme deutlich.

Wie gravierend das alles sein kann, zeigen Studien: Eine Analyse älterer Menschen ergab, dass das Risiko für klinisch relevante Wechselwirkungen sehr hoch ist, wenn viele Wirkstoffe gleichzeitig eingenommen werden (PMC). Auch Notaufnahmen berichten regelmäßig über hospitalisierte Fälle, bei denen unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) durch Polypharmazie eine Rolle spielen (pharmazeutische-zeitung.de).

 

Orientierung: Die PRISCUS- und FORTA-Liste

Die Vielzahl an Medikamenten im Alter kann schnell unübersichtlich werden. Hier helfen die PRISCUS- und FORTA-Listen, den Überblick zu behalten: Sie zeigen, welche Wirkstoffe für ältere Menschen besonders kritisch sind und welche als sicher gelten. So erhältst du Orientierung, welche Medikamente sorgfältig eingesetzt werden sollten und wo es schonendere Alternativen gibt.

  • PRISCUS-ListeDie PRISCUS-Liste sammelt Wirkstoffe, die für Menschen ab etwa 65 Jahren potenziell bedenklich sind, also Medikamente, die man mit besonderer Vorsicht verwenden sollte. Auf dieser Liste stehen unter anderem Schlafmittel, bestimmte Schmerzmittel oder Blutdrucksenker, weil sie bei älteren Menschen das Risiko für Nebenwirkungen wie Schwindel oder Stürze erhöhen können. Gleichzeitig liefert die Liste aber nicht nur „Stopps“, sondern auch kluge Alternativen, Dosierungsempfehlungen oder Hinweise, wie eng überwacht werden sollte, wenn die Einnahme unvermeidlich ist.

 

FORTA-System („Fit fOR The Aged“): Das FORTA-System ist wie eine Waage, die das Für und Wider jedes Wirkstoffs speziell für ältere Menschen abwägt. Es ordnet etwa 296 Substanzen nach ihrem Nutzen-Risiko-Profil bei geriatrischen Patient:innen in vier Kategorien ein:

  • A („absolutely“): Medikamente mit eindeutigem Vorteil, sehr empfehlenswert
  • B („beneficial“): wirksam, aber mit Sicherheitsaspekten
  • C („careful“): Nutzen fraglich bzw. Risiko höher
  • D („don’t“): möglichst vermeiden bei älteren Menschen, wenn Alternativen bestehen.

Studien zeigen: Wird die FORTA-Liste eingesetzt, verbessert sich die Qualität der Medikation älterer Menschen, und Nebenwirkungen werden seltener (PubMed).

Beispiele typischer Wirkstoffe & Risiken

Hier ein paar Beispiele, wie bestimmte Medikamente auf diesen Listen bewertet werden, inklusive typischer Risiken und möglicher Alternativen:

 

Beispiele potenziell ungeeigneter Medikamente im Alter

Wirkstoff / Medikament Typische Anwendung Risiko im Alter Alternative (Beispiel)
Amitriptylin Depression, Schmerz Verwirrung, Sturzgefahr SSRI wie Sertralin (kann je nach Situation sinnvolle Alternative sein, solche Alternativen werden in der PRISCUS-Liste oft genannt)
Bromazepam Angststörungen Abhängigkeit, starke Schläfrigkeit Kurzzeittherapie oder andere angstlösende Mittel (PRISCUS empfiehlt Alternativen)
Doxazosin Bluthochdruck Ohnmacht, Stürze (insbesondere beim Aufstehen) ACE-Hemmer oder andere blutdrucksenkende Mittel, je nach Indikation (manchmal von FORTA bevorzugt)
Diclofenac Schmerzen, Rheuma Magenblutungen, Nierenschäden Paracetamol oder niedrig dosiertes Ibuprofen oder andere schonendere Schmerzmittel (je nach Indikation) – solche Empfehlungen finden sich in klinischen Bewertungslisten bzw. Alternativ-Tabellen

 

💡

Noras Tipp: Sprich gezielt bei Deinem Arzt oder Apotheker auf diese Listen an. Du kannst sagen: „Können wir meine aktuelle Medikation mit der PRISCUS-Liste überprüfen?“ oder „Entspricht mein Medikament dem FORTA-System, also A, B, C oder D?“ Das macht die Arzneitherapie im Alter sicherer.

 

Probleme bei der Medikation im Alter

Eine besorgte ältere Frau sitzt auf einem Sofa und hält sich die Brust, möglicherweise wegen gesundheitlicher Probleme durch Medikation. Anzeichen von Medikamentenproblemen bei älteren Menschen erkennen.

 

Einem Bericht der „Gelben Liste“ zufolge nehmen bereits mehr als 42 Prozent der über 65-Jährigen fünf oder mehr Medikamente ein. Rezeptfreie Arzneimittel sind dabei noch nicht berücksichtigt. Etwa jede/r Vierte bis jede/r Fünfte davon nimmt Medikamente, die möglicherweise unpassend für diese Person sind. Dabei birgt die Medikation gerade im Alter einige Risiken und Problemquellen:

  • Wechselwirkungen: Ein großes Problem sind unerwünschte Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Medikamenten. Wenn zwei oder mehr Arzneimittel gleichzeitig eingenommen werden, können sie sich gegenseitig beeinflussen. Zum Beispiel kann die Wirkung eines Medikaments verstärkt oder abgeschwächt werden, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Manche Wechselwirkungen können sogar gefährlich sein, besonders wenn Blutverdünner oder Herzmedikamente betroffen sind.

 

  • Dosierung: Auch die Dosierung spielt eine entscheidende Rolle. Der Stoffwechsel verändert sich im Alter, was bedeutet, dass der Körper Medikamente anders abbaut. Eine Dosis, die in jüngeren Jahren gut funktioniert hat, kann im Alter zu stark oder zu schwach sein. Deshalb ist es wichtig, die richtige Menge an Medikamenten zu finden und sie an den individuellen Gesundheitszustand anzupassen.

 

  • Vergesslichkeit: Ein weiteres Problem ist die Vergesslichkeit. Ältere Menschen können leichter vergessen, ob sie ihre Tabletten bereits eingenommen haben, oder sie nehmen die falsche Menge zur falschen Zeit. Besonders problematisch ist das, wenn keine regelmäßige Kontrolle durch Angehörige oder Pflegekräfte erfolgt. Ein vergessenes oder doppelt eingenommenes Medikament kann schnell negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Um diese Risiken zu minimieren, ist es wichtig, dass ältere Menschen ihre Medikation regelmäßig von einem Arzt oder einer Ärztin überprüfen lassen. Zudem ist die Organisation entscheidend, damit die Einnahme ordnungsgemäß umgesetzt wird und Fehler vermieden werden.

 

 

 

 

Praktische Tipps für eine sichere Medikamenteneinnahme

Die Einnahme mehrerer Medikamente kann im Alter eine echte Herausforderung sein. Um sicherzustellen, dass alles richtig läuft und die Medikamente den gewünschten Effekt haben, gibt es einige nützliche Tipps und Hilfsmittel, die helfen können, die häufigsten Probleme zu vermeiden:

 

Regelmäßige Arztbesuche und Medikationschecks

Eine ältere Frau zeigt während eines Online-Gesprächs mit einem Arzt eine Medikamentenflasche. Telemedizinische Beratung über die richtige Medikamenteneinnahme.

 

Eine der wichtigsten Maßnahmen, um Probleme zu vermeiden, ist die regelmäßige Überprüfung der Medikation durch den behandelnden Arzt oder die behandelnde Ärztin. Diese Checks können das Risiko für Fehlanwendungen und Wechselwirkungen erheblich senken, wobei es nicht nur um die Überprüfung der aktuellen Medikamente geht, sondern auch darum, ob einige Präparate möglicherweise abgesetzt oder durch verträglichere Alternativen ersetzt werden können.

 

Einsatz eines Medikationsplans

Blisterpackungen mit blauen Kapseln, Spritze und Pillendose auf einem rosa Hintergrund. Unterstützung der täglichen Medikation durch Pillenboxen und Dosierungshilfen.

 

Ein Medikationsplan ist eine einfache, aber effektive Methode, um den Überblick zu behalten. Der Plan listet alle einzunehmenden Medikamente auf, inklusive einer genauen Anweisung, wann und wie diese eingenommen werden sollen. Ein solcher Plan kann sowohl von Ärzten und Ärztinnen oder Apothekern bzw. Apothekerinnen erstellt und regelmäßig aktualisiert werden. Aber auch Pflegekräfte und pflegende Angehörige können diese Aufgabe übernehmen (sofern sie informiert sind).

 

Verwendung von Pillendosen und Erinnerungs-Apps

Medikamente, darunter Blisterpackungen, Kapseln, eine Spritze und ein wöchentlicher Pillenorganizer mit Wochentagen und A.M.-Zeiten, verstreut auf einem rosa Hintergrund.

 

Technische Hilfsmittel wie Pillendosen mit Fächern für jeden Tag und jede Einnahmezeit sowie Apps, die an die Medikamenteneinnahme erinnern, sind eine große Unterstützung für die Betroffenen. Durch die Vorsortierung der Medikamente kann das Risiko der Falscheinnahme gesenkt werden. Aber auch Apps wie "MyTherapy" oder "Medisafe" erinnern die Nutzerinnen und Nutzer daran, ihre Medikamente zur richtigen Zeit einzunehmen und bieten sogar die Möglichkeit, Familienmitglieder oder Pflegedienste einzubinden, die im Notfall benachrichtigt werden.

Vorsicht bei rezeptfreien Medikamenten

Nicht nur verschreibungspflichtige, sondern auch rezeptfreie Medikamente können Wechselwirkungen verursachen. Oftmals werden diese Medikamente ohne Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin eingenommen, was die Gefahr erhöht. Daher ist es ratsam, jede Medikation, auch frei verkäufliche Präparate, mit dem Arzt bzw. der Ärztin oder einem Apotheker oder einer Apothekerin zu besprechen. Denn meist sind wir uns den möglichen Wechselwirkungen gar nicht bewusst.

 

Medikamentenmissbrauch bei älteren Personen

Ein Karton gefüllt mit verschiedenen Medikamenten auf einem grünen Hintergrund. Die Herausforderungen der Verwaltung mehrerer Medikamente bei Senioren.

 

Medikamentenmissbrauch im Alter kann eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit darstellen und oft unbemerkt bleiben. Oft werden Medikamente versehentlich falsch eingenommen – beispielsweise durch Überdosierung, das Vergessen einer Dosis oder die Einnahme zur falschen Zeit. Diese Fehler können zu unerwünschten Nebenwirkungen oder einer verminderten Wirksamkeit der Medikamente führen und die Gesundheit beeinträchtigen.

Es gibt aber auch Fälle, in denen der Medikamentenmissbrauch absichtlich geschieht. Einige ältere Menschen versuchen, die Wirkung ihrer Medikamente zu verstärken, indem sie mehr nehmen als verordnet. Andere nehmen die Medikamente absichtlich nicht ein oder verändern die Dosierung, weil sie die Behandlung nicht verstehen oder nicht akzeptieren. Solcher bewusster Missbrauch kann erhebliche Risiken für die Gesundheit mit sich bringen und muss dringend vermieden werden.

Um diesen Gefahren vorzubeugen, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Dazu gehört die regelmäßige Überprüfung der Medikation durch den Arzt oder die Ärztin, um sicherzustellen, dass alle Medikamente notwendig und korrekt dosiert sind. Auch die sichere Aufbewahrung der Medikamente, eine klare Befolgung der Dosierungsanweisungen und die Unterstützung durch Angehörige können helfen, sowohl versehentlichen als auch bewussten Missbrauch zu verhindern.

 

Medikamente und Ernährung

Eine ältere Person sortiert Pillen aus Blistern. Medikamentenmanagement für ältere Menschen zur sicheren Einnahme und Organisation.

 

Die Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Ernährung sind ein oft unterschätzter, aber entscheidender Aspekt der Medikation im Alter. Was und wie wir essen, kann die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen, manchmal sogar in erheblichem Maße. Wir haben einige wichtige Beispiele für Dich, die zeigen, wie Ernährung und Medikamente zusammenwirken können:

  • Grapefruitsaft: Der Bitterstoff Furanocumarin verleiht der Grapefruit ihren typischen Geschmack, hat aber auch eine andere Wirkung: Er kann den Abbau vieler Medikamente in der Leber blockieren. Der Wirkstoff der Medikamente kann sich dadurch im Blut anstauen, was besonders bei Blutdrucksenkern, Blutverdünnern oder Cholesterinsenkern (Statinen) zu unerwünschten Nebenwirkungen führen kann.

 

  • Vitamin K: Für Menschen, die Blutverdünner wie Warfarin einnehmen, ist es wichtig, auf die Aufnahme von Vitamin K zu achten. Lebensmittel wie Spinat, Kohl und andere grüne Blattgemüse, aber auch Eier und Innereien enthalten hohe Mengen dieses Vitamins, das die Wirkung von Blutverdünnern beeinflussen kann.

 

  • Milchprodukte: Einige Medikamente, insbesondere Antibiotika, können in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden, wenn sie zusammen mit Milchprodukten eingenommen werden. Die Kalziumverbindungen in der Milch können die Aufnahme des Medikaments verringern und somit die Effektivität beeinträchtigen.

 

  • Kaffee und Tee: Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee enthalten Gerbstoffe, die die Aufnahme von Wirkstoffen im Darm beeinträchtigen können. Zum Beispiel können Eisenpräparate vom Körper nicht richtig aufgenommen werden, da die Gerbstoffe das Eisen im Magen-Darm-Trakt binden. Auch bei der Einnahme von Antidepressiva oder Neuroleptika kann es vorkommen, dass die Wirkung der Medikamente durch diese Gerbstoffe vermindert wird.

 

  • Superfoods: „Superfoods“ wie Gojibeeren, großen Mengen Ingwer und Knoblauch können die Wirkung von Blutverdünnern verstärken, was das Risiko für Blutungen erhöhen kann. Wenn solche Lebensmittel in großen Mengen konsumiert werden, kann dies zusammen mit Blutverdünnern wie Aspirin oder Warfarin zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

 

  • Fettiges Essen: Die Leber fungiert als Filter, der unerwünschte Substanzen aus dem Blut entfernt, einschließlich der Medikamente, die wir einnehmen. Dieser Prozess, bekannt als First-Pass-Effekt, wird bei der Dosierung eines Medikaments berücksichtigt, sodass nach dem Durchlaufen der Leber die richtige Menge des Wirkstoffs am Zielort ankommt. Wenn die Leber jedoch stark mit dem Verarbeiten von fettreicher Nahrung beschäftigt ist, kann es vorkommen, dass Medikamente wie Betablocker oder Blutdrucksenker diese erste Filterstufe umgehen und stärker wirken als beabsichtigt.

 

  • Ballaststoffe: Lebensmittel wie Müsli, Vollkornbrot oder Hülsenfrüchte sind reich an Ballaststoffen, die gesundheitlich sehr vorteilhaft sind, weil sie unerwünschte Stoffe im Darm binden. Allerdings können diese Ballaststoffe auch Wirkstoffe in Medikamenten binden und deren Wirkung beeinträchtigen. Betroffen sind zum Beispiel Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Paracetamol, Penicillin, Trimethoprim, Levothyroxin und Antidepressiva wie Doxipin. Trotz ihrer gesundheitlichen Vorteile kann eine plötzliche Änderung der Ballaststoffzufuhr – sei es eine Erhöhung oder Reduzierung – zu Problemen wie Über- oder Unterdosierung der Medikamente führen.

 

  • Tyraminhaltige Nahrungsmittel: Bestimmte Lebensmittel wie gereifter Käse, eingelegte Heringe, Salami, Trockenfrüchte, Joghurt und auch Getränke wie Bier und Rotwein enthalten hohe Mengen des Stoffes Tyramin. Tyramin kommt auch in unserem Nervensystem vor und wird normalerweise von einem Enzym namens Monoaminoxidase (MAO) abgebaut. Wenn jedoch MAO-Hemmer zur Behandlung einer Depression eingenommen werden, wird dieser Abbauprozess verlangsamt. Das kann dazu führen, dass sich Tyramin im Körper ansammelt und zu einem starken Anstieg des Blutdrucks führt.

 

  • Alkohol: Alkohol kann die Wirkung von Medikamenten verstärken. Bei einer hochdosierten Therapie mit NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), die zur Schmerzlinderung verwendet wird, kann Alkohol das Risiko von Magenblutungen erhöhen. Bei anderen Medikamenten kann Alkohol die beruhigende Wirkung verstärken, was zu motorischen Beeinträchtigungen, einem höheren Risiko für Stürze und Unfälle oder sogar zu Atemproblemen führen kann.

Es ist wichtig, diese Wechselwirkungen zu berücksichtigen und gegebenenfalls die Ernährung anzupassen, um die optimale Wirkung der Medikamente sicherzustellen. Die Patienten und Patientinnen sollten ihren Arzt bzw. ihre Ärztin oder den Apotheker bzw. die Apothekerin über ihre Ernährungsgewohnheiten informieren, um mögliche Wechselwirkungen frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. So kann sichergestellt werden, dass die Medikation sicher und effektiv wirkt.

 

 

 

 

Grafik von Krankenschwester Nora mit einem Stethoskop um den Hals und dem Text 'Noras Fazit' auf einem grünen Banner. Abschlussbemerkung oder Zusammenfassung im Gesundheitsbereich.

Die Medikamenteneinnahme im Alter wirft oft viele Fragen auf und kann manchmal Unsicherheit auslösen. Niemand möchte durch Tabletten, die eigentlich helfen sollen, zusätzliche Probleme wie Schwindel, Stürze oder gefährliche Wechselwirkungen riskieren. Wichtig ist: Du musst diese Herausforderung nicht allein bewältigen.

Wenn Du oder Deine Angehörigen mehrere Medikamente einnehmt, lohnt sich ein regelmäßiger Medikationscheck beim Hausarzt oder in der Apotheke. Nutze außerdem einfache Hilfsmittel wie Tablettenboxen, Erinnerungs-Apps oder einen strukturierten Medikationsplan, um den Alltag übersichtlicher und sicherer zu gestalten. Auch die PRISCUS-Liste oder das FORTA-System können Dir Orientierung geben, welche Wirkstoffe im Alter problematisch sein können.

Das Wichtigste: Sprich offen mit Ärzt:innen und Apotheker:innen über Deine Fragen und Sorgen. Je besser alle Beteiligten informiert sind, desto sicherer und wirksamer kann Deine Therapie gestaltet werden.

Mit Wissen, guter Organisation und vertrauensvoller Unterstützung lässt sich die Medikamenteneinnahme im Alter nicht nur sicherer, sondern auch deutlich einfacher machen – für Dich und Deine Familie.

 

Ein türkisfarbener Banner mit weißem Text, der 'Noras Häufig gestellte Fragen' lautet. Auf der rechten Seite befindet sich eine illustrierte Avatarfigur einer Krankenschwester mit blonden Haaren, die eine türkise Krankenschwester-Mütze mit einem weißen Kreuz, einen weißen Kragen und ein Stethoskop um den Hals trägt
Im Alter verändern sich Körperfunktionen: Leber und Nieren arbeiten langsamer, der Wasseranteil sinkt, der Fettanteil steigt. Dadurch werden manche Medikamente langsamer abgebaut, wirken länger oder stärker. Das bedeutet, dass Standarddosierungen, die für Jüngere unproblematisch sind, bei älteren Menschen Nebenwirkungen wie Schwindel, Stürze oder Müdigkeit auslösen können. Deshalb ist eine individuelle Anpassung durch den Arzt oder Ärztin besonders wichtig.
Ältere Menschen nehmen oft mehrere Medikamente gleichzeitig – sogenannte Polypharmazie. Das erhöht das Risiko für Wechselwirkungen, Nebenwirkungen wie Schwindel oder Verwirrung und sogar Stürze mit Knochenbrüchen. Auch das Vergessen oder doppelte Einnehmen von Tabletten kann gefährlich sein. Regelmäßige Überprüfung der Medikation durch Arzt bzw. Ärztin oder Apotheke reduziert diese Risiken und sorgt dafür, dass die Therapie sicher bleibt.
Die PRISCUS-Liste ist eine Zusammenstellung von Medikamenten, die für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind, weil sie häufig starke Nebenwirkungen verursachen. Sie dient Ärzten bzw. Ärztinnen und Apothekern als Orientierung, welche Wirkstoffe besser vermieden oder durch verträglichere Alternativen ersetzt werden sollten. Für Patientinnen und Patienten bedeutet die PRISCUS-Liste mehr Sicherheit und ein wichtiges Gesprächsinstrument beim nächsten Arzt- oder Apothekenbesuch.
Expertinnen und Experten empfehlen, den Medikationsplan bei älteren Menschen mindestens einmal pro Jahr gründlich überprüfen zu lassen. Bei neuen Beschwerden, Krankenhausaufenthalten oder der Verordnung zusätzlicher Medikamente sollte die Kontrolle sofort erfolgen. Die Überprüfung kann in der Hausarztpraxis oder in der Apotheke stattfinden. So lassen sich Doppelverordnungen, gefährliche Wechselwirkungen und unnötige Präparate vermeiden – für mehr Sicherheit im Alltag.
Einige Medikamente können im Alter besonders riskant sein, zum Beispiel starke Schlaf- und Beruhigungsmittel, bestimmte Schmerzmittel (wie Diclofenac) oder langwirksame Bluthochdrucksenker. Sie erhöhen das Risiko für Stürze, Verwirrtheit oder Magenprobleme. Orientierung bietet die PRISCUS-Liste, die problematische Wirkstoffe aufzeigt. Wichtig ist: Niemals eigenständig absetzen, sondern immer Rücksprache mit Arzt bzw. Ärztin oder Apotheker halten, um sichere Alternativen zu finden.

 

Grafisches Logo von Noras Wissenschatz, einer Sammlung von Informationen für Pflegekräfte. Ideal zur Darstellung von Pflegewissen und Ratschlägen.
  • Polypharmazie: Der Fachbegriff für die gleichzeitige und regelmäßige Einnahme von fünf oder mehr verschiedenen Medikamenten. Dies erhöht das Risiko für gefährliche Wechselwirkungen und Nebenwirkungen.
  • LDL-Cholesterin: Das sogenannte „schlechte“ Cholesterin, das sich bei Überschuss in den Arterien ablagert und Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) fördert.
  • HDL-Cholesterin: Das sogenannte „gute“ Cholesterin, das überschüssiges Cholesterin zur Leber zurücktransportiert und die Gefäße schützt.
  • PRISCUS-Liste: Eine Liste von Medikamenten, die für ältere Menschen (ab ca. 65 Jahren) als potenziell ungeeignet gelten, da sie häufig starke Nebenwirkungen (z. B. Schwindel, Verwirrung) auslösen können.
  • FORTA-System („Fit fOR The Aged“): Ein Bewertungssystem, das Medikamente speziell nach ihrem Nutzen-Risiko-Profil bei geriatrischen Patient:innen einteilt (Kategorien A bis D).
  • Umlageverfahren (Rente): Das Prinzip der gesetzlichen Rentenversicherung, bei dem die aktuellen Beiträge der Arbeitnehmer:innen sofort zur Finanzierung der laufenden Renten verwendet werden.
  • Wechselwirkungen: Die gegenseitige Beeinflussung von Medikamenten, wenn sie gleichzeitig eingenommen werden. Ein Wirkstoff kann die Wirkung eines anderen verstärken oder abschwächen, was gefährlich sein kann.
  • Melatonin: Ein körpereigenes Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus (Biorhythmus) steuert. Seine Produktion wird durch künstliches Licht (z. B. von Bildschirmen) gehemmt.
  • Ballaststoffe: Nahrungsbestandteile (z. B. in Vollkornprodukten, Gemüse), die die Verdauung fördern, aber auch Wirkstoffe von Medikamenten im Darm binden und somit deren Aufnahme beeinträchtigen können.
  • NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika): Eine Gruppe von Schmerzmitteln (z. B. Diclofenac, hochdosiertes Ibuprofen), deren Einnahme das Risiko für Magenblutungen und Magengeschwüre erhöht.